Outer Space

Ayreon – Eine neue Liebe zur alten Musik

Ayreon verschiebt die Grenzen dessen, was ich glaubte, was mit Musik möglich ist, und ist diese nächste Stufe der Musik, die ich vermisst hatte. Endlich durfte ich ihr begegnen.

Wer oder was ist Ayreon?

Müsste ich Ayreon in meinen eigenen Worten beschreiben, wäre es eine „Rock Oper“, komponiert von Arjen Anthony Lucassen, der ein begnadeter Musik ist. Ayreon ist keine feste Band mit Stammbesetzung, sondern eine experimentelle Schöpfung, der je nach „Bedarf“ und Album die unterschiedlichsten Instrumentalisten und Sänger angehören. Herkömmliche Instrumente wie die Akustik- und E-Gitarre, die bereits für sich in der Lage sind, starke Emotionen zu transportieren, werden in Ayreon von Streichern und Synthesizern bis hin zu Flöten, Zittern und Didgeridoos begleitet.

Auf Wikipedia, Apple Music oder Spotify finden sich die verschiedensten Genre-Bezeichnungen, die durch ihre breite Fächerung bereits vermuten lassen, welche Vielfalt hier zu finden ist:

Progressive Rock, Progressive Metal, Power Metal, Folk, Electronica, Experimental und Klassik.

Die Geschichte von Ayreon

2084 steht die Erde kurz vor der Zerstörung durch den Menschen, doch die Wissenschaft hat einen Weg gefunden, Botschaften in Form von Traumvisionen in die Vergangenheit zu senden. Die Technologie soll genutzt werden, um Menschen aus vergangenen Tagen über den drohenden Schrecken zu informieren. Die Visionen erreichen Ayreon, einen blinden Minnesänger im Mittelalter. Die Menschheit der Zukunft hofft nun darauf, dass er die Geschichte ändern kann.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Ayreon

Eine wundervolle Idee, die sich in großartigen Tracks auf dem initialen Album „The Final Experiment“ wiederfindet, aber auch in neueren Alben wie „The Source“, vor allen in Tracks wie „Sea of Machines“ und „Star of Sirrah“.

Diese Geschichte bildet die Basis des Universums von Ayreon. Mehr über die Geschichte lässt sich auf Wikipedia lesen und vor allem: in der Musik hören.

 

Warum gefällt mir es so sehr?

Ayreon fühlt sich anders an

Ayreon ist anders als die Bands, die mir bisher begegnet sind. Während ich mich durchaus zu Bands wie In Flames und Katatonia hingezogen fühlte, die eine kontinuierliche persönliche Entwicklung durchlaufen und damit auch ihre Texte weiterentwickeln und über sich erzählen, befindet sich Ayreon auf einem anderen Level. Die zusammenhängenden Geschichte und die hochkarätigen Sänger erzeugen eine imposante Atmosphäre, die mich aus der Realität in die Welt von Ayreon zieht. Jedes Lied fühlt sich passend besetzt an, die Instrumente sind trotz ihrer Vielfalt passend eingesetzt und auch Exoten wie die Flöte werden nicht übertrieben, sondern gefühlvoll und berührend gespielt. Die Songs reißen mit und dringen wie Sirenengesang in das Gehirn ein.

Sex für die Ohren.

 

Abtauchen in eine andere Welt

Die Alben erzählen Geschichten, wie sie mir bisher noch nicht in der Musik begegnet sind. Durch die an Opern angelehnte Struktur erhalten die Charaktere unglaubliche Tiefe, und die Musik zu hören wird zu einem ähnlichen Gefühl wie einen guten Roman zu lesen. Die Realität um einen herum verschwindet.

Video: Valley of the Queens

Video: Everybody dies

 

Berührende Texte

Die Grundlage des Ayreon-Universums bietet die Möglichkeit, sich mit vielen Fragen der Menschheit auseinanderzusetzen. Krieg, Besiedlung, Umweltverschmutzung, unseren Kindern, Gefühlen, dem eigenen Überleben, der Bewertung von Individuen, etc. Die Liste an Themen, die in den Songs von Ayreon behandelt werden ist so umfangreich wie die Themen selbst.

„01011001“ erzählt die Geschichte der „Forever“, einer hoch entwickelten außerirdischen Rasse, die den Planeten Y bewohnt und sich mit Hilfe von Maschinen am Leben erhält. Durch diese technologische Abhängigkeit drohen jedoch ihre Gefühle immer weiter zu verkümmern, so dass sie sich dazu entschließen, ihre DNA auf einem vorbeiziehenden Kometen durch Extremophile zu deponieren, der sich auf Kollisionskurs mit der Erde befindet. Der Einschlag des Kometen verändert das Abbild des Planeten und löscht die dort lebenden Dinosaurier aus. Durch die mitgebrachte DNA entwickelt sich eine neue Spezies: die Menschen.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Ayreon

Dabei erzählt jedes Album eine andere Geschichte und ist damit wie ein neues Buch einer geliebten Sci-Fi Reihe. Welche neuen Informationen wird es beinhalten? Wird es aufgekommene Fragen beantworten?

Welche neuen Perspektiven auf die Geschehnisse birgt es?

Die Idee eine fiktive Zukunft mit allgegenwärtigen philosophischen Fragen der Menschheit zu koppeln, mag nicht neu sein, aber fesselt mich seit über einem Jahrzehnt. Wer mich kennt, weiß, dass u.a. genau dieses Setting der Grund ist, warum ich an Produktionen wie Gurren Lagann so stark interessiert bin.

 

Epische Gäste

Ayreon distanziert sich nicht nur sein Setting und die Instrumentenanzahl von anderen Bands. Die unfassbar umfangreiche, Promi-durchwachsene Gästeliste ist hier verlinkt:

Englischsprachige Liste der Gäste

Gäste wie Bruce Dickinson (Iron Maiden), Floor Jansen (Nightwish), James LaBrie (Dream Theater), Jonas Renkse (Katatonia), Mikael Akerfeldt (Opeth) und Hansi Kürsch (Blind Guardian) lassen aufleuchten, welch fulminante Vocals hier zu erwarten sind.

Ich habe durch Ayreon meinen verlorenen Bezug zur Musik wiedergefunden.

 

Ich hatte lange nichts entdeckt was mich wieder neu entflammen lassen konnte

Viele Bands produzieren jahrelang denselben Song, dasselbe Setting, dieselbe Atmosphäre. Und das ist auch gut so. Sie sind ein wichtiger Garant für die Festigung von Genres. Bands wie beispielsweise Amon Amarth, die bereits seit über einem Jahrzehnt die Wikinger-Horden in unsere Ohren einfallen lassen, sind musikalische Größen, die ihre Daseinsberechtigung haben.

Aber mich dürstet seit langen nach mehr. Sehr viele der Bands aus meiner Jugend- und Studentenzeit sind musikalisch nach wie vor auf einem hohen Niveau, reißen mich aber nicht mehr mit, da sie kaum spürbar neue Atmosphäre und / oder Texte erschaffen. Sie bewegen meinen Körper, berühren meinen Geist aber nicht mehr so stark wie früher.

Dadurch sind große Teile der früheren CD-Sammlung langsam aber sicher uninteressanter für mich geworden. Die emotionale Beziehung bleibt vorhanden, aber die neuen Alben ziehen mich nicht mehr in ihren Bann.

Eine ewige Ausnahme bleibt In Flames. Das Tempo mit der sich diese Band weiterentwickelt ist atemberaubend.

Ayreon hat mein Herz für höhergewichtige Musik wieder entflammen lassen.

 

Ich hatte meinen Fokus in der Musik geändert

Etwas enttäuscht von den Entwicklungen der Schwermetall-Szene, habe ich mich teilweise anderen Genres zugewandt, die durch ihre künstlerische Qualität und das Vermitteln von starken Emotionen einen Reiz aufgebaut hatten: der Klassik, bspw. Igor Levit, dem Jazz (Tab Two) und dem Indie-Rock, bspw. Matt Nathanson.

Ayreon kombiniert viele Inhalte dieser Genres und bildet einen für mich ansprechenden Mix.

Durch geänderte Lebensbedingungen und dem Wegfall von Kontakten, die Metal ebenso sehr mochten wie ich, sowie der Tatsache, dass meine Partnerin ihr Interesse an dieser Musikrichtung verlor, hatte ich mich im Laufe der Zeit weitestgehend aus der Szene zurückgezogen.

Doch es gibt neue Menschen in meinem Leben, die meine alte Liebe wieder entflammen konnten, durch einen simplen Satz:

„Kennst du eigentlich Ayreon?“

Schlussworte

Ayreon verschiebt definitiv die Grenzen dessen, was ich glaubte, was mit Musik möglich ist. Musik war schon immer ein sehr prägnanter und wesentlicher Teil meines Lebens, vor allem in meiner Kindheit. Ich hatte etwas den Bezug zu den zuletzt gehörten Bands / Genres verloren, sicher unter anderem auch deshalb, weil ich mich persönlich weiterentwickelt und verändert habe.

Und Ayreon ist diese nächste Stufe der Musik, die ich vermisst hatte. Endlich durfte ich ihr begegnen.

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